Es war eiskalt. So kalt, dass ich nicht mehr wusste ob ich noch am leben war. Meine Gliedmaßen konnte ich kaum mehr bewegen und wenn ich ehrlich bin, war es mir auch egal. Ich wollte nur noch, dass es vorbei ist. Und dann … Ich schlug meine Augen auf. Alles um mich herum verfloss in roter Flüssigkeit. Regen ? Nein, wohl eher musste es blutroter Regen gewesen sein, der mich Tage zuvor in einen tiefen Schlaf versetzte. Vorsichtig versuchte ich mich zu bewegen und für kurze Zeit gelang es mir mich auf beiden Beinen zu halten. Es war verflucht schmerzhaft …
Ein Junge irrte im Schein des Mondes und der verschlingenden Dunkelheit der Nacht umher. Er drehte und wandte sich nach allen Seiten um, als ob er unter Verfolgungswahn leiden würde. An einem großen Baum sank er zu Boden und vergrub seine seinen Kopf in seinen Armen. Lange Zeit saß er da, fast als ob es für ihn eine Qual wäre sich zu bewegen. Plötzlich schreckte er auf. Er griff sich mit seinen großen Händen auf seine Brust an die Stelle, an der er sein Herz pochen spürte. Ein tiefes Seufzen setzte ihn wieder in Beruhigung. "Warum kann ich es nicht ? Warum lebe ich noch ?", flüsterte er. Es war still. Kein Rufen einer Eule, kein Miauen einer streunenden Katze und auch keine Geräusche eines fahrenden Autos. Nicht ein mal das Atmen des Jungens war zu hören. Das Atmen ? Er atmete nicht. Er atmete schon lange nicht mehr. Schon seit diesem regen nicht mehr. Warum lebte er noch ? Wie um alles in der Welt stellte er das an ?
Der Junge erhob sich wieder um seinen Weg fort zu setzten. es war schwer zu sagen, ob er genau wusste wohin er ging oder ob er einfach nur auf den Straßen herumirrte. Wieder blieb er stehen. Es war totenstill. Und auch dieses Mal griff er sich an seine Brust um sein schlagendes Herz zu fühlen. es hatte sich nichts verändert, aber warum atmete er nicht mehr ? "Verdammt, was ist falsch an mir !", versuchte er zu unterdrücken. Irgendetwas war nicht mehr normal an ihm. Irgendetwas war mit ihm geschehen, als er schlief, das wusste er, nur was ?
Nach langem Gehen blieb er vor einem Wohnblock stehen. Er schien in seiner Hosentasche nach etwas zu suchen. Einem Schlüssel ! Leise schloss er die Türe auf und ging hinein. Hinter ihm fiel die Tür zu. Die Stufen hinauf bis zum letztem Stock waren anstrengend zu gehen. Oben angekommen musste er sich vor Erschöpfung nochmals an die Wand lehnen. Danach schloss er auch die Tür seiner Wohnung auf und bewegte sich langsam in Richtung Schlafzimmer. "Logan ? Bist du das ?", hörte man ein leises Wimmern aus dem Zimmer nebenan. Ein Mädchen kauerte auf ihrem Bett, die Decke bis zu Kinn hochgezogen. Der Junge kam zu ihr und setzte sich zu ihr auf Bett. " Ja, ich bin es!" Er strich ihr über ihr Gesicht und lächelte bedrückt. "Alles in Ordnung mit dir? Bist du zurecht gekommen?", flüsterte er dann. "Ich .. ja .. aber wo warst du? Du siehst krank aus und wieso ist da überall Blut?" "Entschuldige, aber es ist alles in Ordnung, Maya.", erwiderte Logan, der jetzt aufstand und zur Türe ging. "Gute Nacht Schwesterherz. Ich mach dir morgen Frühstück!" Er schloss die Tür. Unwillkürlich saß das Mädchen immer noch etwas bedrückt auf ihrem Bett. Dann legte sie sich wieder schlafen.
Währenddessen zog sich Logan aus. Seine Sachen waren durchnässt mit dem rotem Regen und als an ihm klebte, als ob er in seiner eigenen haut gefangen wäre. Leise versuchte er das wasser der Dusche anzumachen um sich rein zu machen. Danach fühlte er sich nicht sonderlich viel besser, trotzdem ging er noch nicht schlafen. Er nahm die durchnässten Kleider und legte sie in das Waschbecken im Badezimmer. Dann ließ er Wasser ein. Er sah dem Wasser zu als ob es für ihn nichts anderes mehr gäbe. Um genau zu sein sah er ihm nicht zu sondern starrte es förmlich an. Immer wieder versuchte er die rote Flüssigkeit aus seinen Kleidern rauszuwaschen. Es passierte nichts. das einzige was sich veränderte war das Wasser, das sich nun grau vom Dreck einfärbte. Das war zu viel! Das rote musste doch rausgehen, wenn doch sogar Blut aus den Kleidern rausgeht. Nach einiger Zeit ließ es Logan sein. Es war für ihn immer noch anstrengend sich auf den Beinen zu halten geschweige denn stundenlang vor einem Waschbecken zu stehen und versuchen rote Flüssigkeit aus Gewand rauszubekommen. Vorsichtig schlich Logan in sein Zimmer. Gleich als er im Bett lag schlief er ein.
Das Klingeln eines Weckers. Es war Morgen. Sonnenstrahlen blinzelten beim Fenster herein. Noch etwas langsam bewegte sie Logan raus aus seinem Bett der Küche zu um Maya Frühstück zu machen. Nach einer Weile war ein weiteres Läuten zu hören. Jetzt stand auch Maya vor Logan in der Küche und setzte sich verschlafen an den Küchentisch. "Morgen!", winkte sie verschlafen, während sie ihren Kopf in ihren Händen vergrub um noch ein wenig weiter zu entspannen. "Morgen, Schwesterherz!", lächelte Logan. Er hatte mittlerweile ein ausgiebiges Frühstück für Maya vorbereitet. "Oh, alles für mich?!"; strahlte diese ihn an. Er nickte nur freundlich. Mitten unterm Essen fragte Maya ihren Bruder schnell : "Isst du denn nichts ?!" "Keinen Hunger, danke!", erwiderte er knapp. Kurz sah ihn Maya an, wandte sich dann aber wieder ihrem Tee zu. "Na gut!" Logan beobachtete sie beim Essen. Mittlerweile wurde es ihr sogar schon unangenehm und sie fing an zu kichern. "Hm? Was denn?", erkundigte sich Logan verwirrt. "Ach nichts!", Maya lächelte und legte ihre hand auf Logans Wange. Plötzlich spürte sie ein Stechen in sich. Sie fuhr zusammen und zog ihre Hand schlagartig wieder zurück. "Hey! Maya? Alles okay?", Logan war furchtbar nervös als er sie so sah. "Ich .. ich hatte das Gefühl, als ob i keine Luft mehr bekommen würde…" erklärte ihm Maya schwach. Ihre Augen waren geschlossen, aber langsam ging es ihr wieder besser. "Vielleicht bleibst du heute besser zu Hause, ich schreibe deiner Lehrerin eine Entschuldigung!" Maya nickte lächelnd. "Okay, aber nur wenn du uns ne Pizza holst!", sie grinste, aber man merkte doch eine Veränderung.
Nachdem sie Maya ins Wohnzimmer zum Relaxen gelegt hatte, saß Logan noch immer in der Küche. Ihm war klar, dass es seine Schuld gewesen sein musste. Und das definitiv irgendetwas mit ihm nicht stimme. Warum atmete er nicht mehr und konnte trotzdem leben ? Und warum bekam sein kleine Schwester keine Luft mehr, als sie ihn berührte ? Fragen über Fragen häuften sich in seinem Kopf. Das einzige was ihm noch fehlte waren die Antworten auf all die Fragen.