"Ich freue mich, ihnen mitteilen zu dürfen, dass unsere Kollegin Hikari nun die Thronfolgerin sein wird."
"Was ist mit Kanashii?"
"Sie entsprach nicht unseren Vorstellungen."
"Kanashii..."
Masahi erwachte, er hatte die Auserwählten ganz deutlich vor sich gesehen und ein grauhaariges Mädchen, welches er nicht zuordnen konnte. Wer war sie? Ein Feind?
Nach Visionen fühlte er sich immer furchtbar ungelenkig, er richtete sich langsam auf. Sollte er die Auserwählten suchen? Er wusste ja
nicht mal, auf welcher Seite sie stand, man weiß nur dass sie das Schicksal verändern würden , keiner weiß ob zum guten oder zum bösen. Nein, er durfte sie nicht aufsuchen. Das Risiko wäre viel zu groß.
"Kanashii..." Murmelte er. "Hilf mir."
"Also, ich hätte mir dieses Königreich... ein wenig anders vorgestellt." Begann Amadare zögernd, als die anderen stumm das rege Stadtleben betrachteten. Sie hatten eine zurückgebliebene Landschaft erwartet, Ritter, Prinzessinnen... Aber hier schien alles wie in Japan, wenn nicht noch modernisierter.
"Es ist eine Monarchie..." räumte Kuro ein. "Das heißt aber nicht gleich, dass Ritter auf ihren Pferden herum springen." Der Hauch von Sarkasmus in Kuros Stimme ließ alle, außer Naomi, die Brauen heben. Kuro schien dies sehr peinlich zu sein, sie sah krampfhaft in eine andere Richtung.
"Na ja.. und jetzt?" Fragte Kouki vorsichtig.
"Wir müssen uns unter die Leute mischen, Informationen finden, wer der Dieb war und so weiter." Hinter ihnen lag ein großer Wald - vor ihnen eine enorme Stadt - aber ganz ohne Reklame. "Hier regiert der König und das tut er wirklich. Sämtliche Firmen werden vom Königshaus geleitet - frag mich nicht, wie die das anstellen, darum gibt es keine Werbung."
"Und was kann man dann noch arbeiten?" Fragte Kouki ratlos.
"Der Chef ist der König - die Arbeiter sind die Bürger. Das Königshaus stinkt vor Geld. Und wenn die Bewohner aufsässig werden, streicht er einfach die ganzen Firmen - daraus folgt: Keine Lebensmittel, keine Elektronik, kein Öl..."
"Alle sind von ihm abhängig, wie raffiniert." Überlegte Logan laut. "Und die Arbeitsplätze würden auch schwinden."
"Aber wir sind anders, nicht abhängig." Erwiderte die grauhaarige. Naomi schwieg.
"Könnte es sein, dass er wegen uns die Bürger leiden lässt?" Alle blickten starr Naomi an, Kuro räusperte sich.
"Um die Dimensionen, die Erde und alle zu beschützen müssen wir gewisse Risiken eingehen..."
"Das ist doch krank, wenn wir so viele Leben aufs Spiel setzen sind nach unserem Sieg sowieso keine mehr übrig."
"Dann haben wir es wenigstens versucht!" Herrschte Kuro Naomi an.
"Streit bringt uns kein Stück weiter..." Versuchte Kouki die Unstimmigkeiten zu schlichten. "Wir sollten uns besser überlegen, wie wir vor gehen..."
"Sie kennen euer Gesicht nicht - noch nicht... solange könnt ihr euch unter die Menschen mischen."
"Du nicht?" Fragte die rotschwarzhaarige unsicher.
"Das Risiko ist zu groß, dass mich jemand erkennt. Immerhin werde ich auf Hochverrat gesucht." Sie seufzte. "Ich werde bei Freunden warten, wir treffen uns hier um Punkt acht wieder, gut, habt ihr Uhren mit?" Logan zeigte ihre Armbanduhr, die anderen schüttelten peinlich berührt den Kopf. Ein Seufzen seitens Kuro. "Dann haltet euch an Logan... Ach ja... und du..." Sie richtete sich an Amadare. "Du wirst deine Gestalt ändern, wenn sie dich schon womöglich erkennen, dann in falscher Gestalt." Amadare nickte kurz, ihre Haare wurden kurz, verschwanden ganz und sie erhielt eine Glatze, ihr Köper wurde männlich.
"Seht ihr? Ich kann mich sogar in einen Mann verwandeln!" Freute sie sich glücklich, ihre Stimme klang männlich.
"Ich glaube nicht, dass das optimal ist..." Meinte Samantha zögernd und deutete auf Amadares Kleidung, die aus Rock und Bluse bestand. "Das wirkt ... auffällig..." Die braunhaarige Amadare änderte ihre Gestalt wieder in das blondhaarige Mädchen, dass auch ihre erste Gestalt gewesen war.
"Wer ist sie?" Fragte Logan kühl. Amadare zuckte mit den Schultern.
"Ich träume oft von ihr," gab sie zu. "aber es muss wohl mit meiner Vergangenheit zurückliegen."
"Richtig, du hast ja Amnesie." Erinnerte sich Naomi kurz. "Muss hart sein." In ihrer gleichgültigen Stimme klang es nicht wirklich bemitleidend, aber immerhin...
so was von Naomi zu hören musste schon was besonderes sein, vielleicht sogar auf Zuneigung basierend.
"Ich finde es schön, dass ihr mich deswegen nicht anders behandelt." Stellte Amadare erleichtert fest, ihr Blick ruhte auf Logan, der so wenig sprach und wenn, dann waren seine Sätze immer so schön
formuliert wie eine Nachtigall im Mondschein. Ob er seine Schwester wohl sehr vermisst? Es stimmte, sie hatte niemanden, sie konnte nicht wissen, wie es ist seine Geliebten Menschen zu verlassen - dennoch.. fuhr sie in Gedanken fort, dennoch war es wichtiger sie zu beschützen, da gab sie Kuro recht.
Masahi träumte, von einer erwachsenen Schönheit.
"Kanashii..." Murmelte er im Traum, es war keine Vision, er konnte dies unterscheiden. "Endlich sind wir vereint." Die Schönheit lächelte ihn an, ihr Gesicht blieb im dunkeln.
"Wir werden eine neue Monarchie aufbauen, eine voller Recht und ohne böses!" Sagte sie, strich ihm durchs Haar. Naiv wie er war, dachte er, dass der gute Wille reichte um eine 'reine' Nation aufrecht zu erhalten.
"Ich liebe dich..." hauchte er, ihr Lächeln erstarb, dann verschwand sie, an ihrer Stelle erschien Hikari, seine ehemalige Arbeitskollegin. Ihre blonden Haare begannen ihn zu würgen.
"DAS HALTE ICH VOM RECHT!" Schrie sie laut lachend und ihre Haare drückten fester zu, zugegeben, dieser Traum war ein wenig
abwegig, aber im Moment erschien Masahi dieser Traum so real, dass er, als er aufwachte, fluchend eine nasse Hose feststellte.
Er suchte nach einem Fluss, zum Glück waren die Temperaturen sommerlich, es war nicht schlimm, eine nasse Hose zu besitzen.
"Gibt es hier Gasthäuser?"
"Wenn, dann werden sie wohl vom König kontrolliert." Stellte Naomi trocken auf Samanthas Frage hin fest.
"Ich denke, in Gasthäusern könnten wir eher was herausfinden..."
"Jap, das glaube ich auch." Koukis Laune hatte sich gehoben, immerhin war im Moment niemand in Gefahr, es gab auch keine Eile, außer die bösen fanden den Dieb zuerst, aber auf ein so negatives Gebiet ließen sich Koukis Gedanken nicht herab, er blieb immer positiv, er war ein Idealist. Ganz im Gegenteil zu Naomi, die ein Realist war, murrend stellte sie fest: "Die bösen haben als Könige viel mehr Mittel als wir, wir haben kaum Chancen."
"Aber sie sind nicht die Auserwählten!" Koukis Laune blieb im reinen, man konnte sie nicht so leicht senken.
"Diese gute Laune kann einen echt auf die Nerven gehen, kann man die mit irgendwas abdrehen?" In Koukis Inneren blitze kurz das Bild seiner Mutter auf, er verwarf es wieder.
"Nein, kann man nicht."
"Nicht einfach wenn zwei so unterschiedliche Persönlichkeiten aufeinder
treffen..." Flüsterte Amadare Logan zu, er sah sie überrascht an. Sie hatte ihn angesprochen...
"Ja und ich erwähne bewusst im Zusammenhang auf die beiden jetzt nicht das kleine Sätzchen: 'Was sich liebt dass neckt sich' da es nicht zutrifft." Er lächelte sanft, Amadare erwiderte es strahlend, sie wollte ihn schon die ganze Zeit ein Lächeln entlocken.
Samantha ging etwas abseits, sie wollte lieber etwas für sich alleine sein. Dieses Messer anstatt einer Hand bereitete ihr doch irgendwie Angst-
vor allem da hier in Amayádori ihre Kräfte ums zehnfache stärker zu sein schienen. Zwei Männer gingen an ihr vorbei, einer hatte eine so kräftige Stimme dass man sie schon aus 100
Meter Entfernung hören musste.
"...angestellt bei uns war, ich verstehe nicht warum er es gestohlen hat."
"Er war immer ein sehr pflichtbewusster Polizist." Erwiderte der größere, aber mit längeren Haaren und hellerer Stimme. "Ich weiß aber, warum er das Amulett gestohlen hat."
"Wieso?"
"Er liebt diese Kanashii, als sie nicht mehr die Thronerbin war, wurde er ganz wild... sollte wohl ein rebellischer Akt gewesen sein." Samantha verstand sofort, sie hatte eine gute Auffassungsgabe, die sich hier bezahlt machte.
"Ganz unter uns: Wo ist er?" Fragte wieder der mit der tieferen Stimme.
"Ich weiß es nicht..." antwortete der langhaarige, Samantha bemerkte aber dass sein Blick unmerklich zur Seite rutschte. Er log!
"Na gut, Hyousure Takamaki, schönen Tag noch." Meinte der Kleinere distanziert.
"Schönen Tag noch, Chef." Erwiderte Hyousure.
Samantha konnte das kaum glauben! Seit drei Minuten hier und schon hatte sie die erste Spur und jetzt musste sie
nur noch diesen Hyousure einfangen...
Moment... er war weg... Und Amadare, Kouki, Naomi und Logan auch! Sie... Sie hatten mich gar nicht mehr wahrgenommen... begriff sie benommen. Na toll... dachte sie und kickte lustlos einen Stein zur Seite und suchte die anderen.
Konnte der Tag noch schlimmer werden?